Ein Rundgang durch die Industriegeschichte von Bürglen
Sun-Wolle geht nie ein - Ein Rundgang durch die Industriegeschichte von Bürglen
Was auf die Wolle gemünzt war, traf für das Industrieunternehmen leider nicht zu.
Das SUN-Areal wird zwar vielfältig genutzt, aber nicht mehr in seiner ursprünglichen Bestimmung.
Walter Strasser gab den 25 Teilnehmenden im Ursprung der Bürglener Industrialisierung, in der Mühle, einen kurzen Überblick über die Geschichte und Entwicklung der Industrie in Bürglen.
Als ehemaliger Sekundarlehrer in Bürglen durften schon seine Schüler:innen Industriegeschichte live erleben – und auch jetzt vermag er durch spannende Fakten und Geschichten das Geschehen wieder aufleben zu lassen.
Es sind eigentlich drei Hauptpfeiler, welche den Standort Bürglen zum starken Arbeitsort machten.
Einerseits das Wasser, welches über Kanäle und Kleinkraftwerke die nötige Energie lieferte.
Andrerseits die Eisenbahn, welche die Entwicklung stark pushte.
Und zum dritten und vielleicht wichtigsten Punkt: starke Familienclans, welche durch starkes Unternehmertum, viel Geld, Visionen und geschickte Heiraten zur industriellen Blüte von Bürglen betrugen.
Die Geschlechter Häberlin, Scheitlin, Leumann, Böhi brachten nicht nur gewiefte Geschäftsleute hervor, auch in der Politik wurde heftig mitgemischt.
So war es möglich, die Bedürfnisse der Baumwoll-/Wollverarbeitung vor Ort voranzutreiben.
Die einflussreichen Leute in Bürglen waren sich immer dann einig, wenn es darum ging, Probleme in Verbindung mit ihren Fabriken zu lösen, manchmal auch zum Wohle des Dorfes – in anderen Bereichen gingen die Meinungen oft stark auseinander.
Und wer arbeitete in den Fabriken? Vor allem Gastarbeiter:innen aus Italien. Die Frauen waren in einem Mädelhaus, Familien in Arbeiterhäusern untergebracht. Die Industriellen kauften an Immobilien ein, was sie konnten, um ihre Arbeiter*innen unterbringen zu können. Oft waren die Platzverhältnisse sehr typisch für die Zeit der Industrialisierung: Dank Schichtbetrieb konnten Betten mehrfach genutzt werden.
Und nach der Arbeit, ab in die Beiz: entlang der Heimwege der Arbeiter*innen gab es viele Stubenbeizen, welche gut besucht waren. Ein berühmtes Beispiel: die «Blume», in welcher man – scheints – Preise nach Einkommen bezahlte.
So endete denn auch unser Rundgang in einer Beiz: in der Barfussbrauerei im Gebäude der ehemaligen Schaltzentrale bei einem feinen Bier.
Hubi Zweifel