"Vertraut und fremd zugleich" - Ein Besuch im jüdischen Gailingen
Vertraut und fremd zugleich - Ein Besuch im jüdischen Gailingen
Ende April haben sich mehr als 50 PSSL-Mitglieder auf den Weg in die deutsche Nachbarschaft gemacht. Ziel war Gailingen. In diesem Dorf, das im 19. Jahrhundert zu einer der grössten und bedeutendsten jüdischen Landgemeinden Badens gehörte, lebten über Jahrhunderte zwei Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlicher Religion, Berufsstruktur und Kultur zusammen. Ortsbild und Dorfleben Gailingens wurden von der jüdischen Bevölkerung massgeblich geprägt. Erst mit dem Nationalsozialismus ging ein jahrhundertelanges wechselvolles Zusammenleben von Jüdinnen, Juden, Christinnen und Christen unwiderruflich zu Ende. In der Pogromnacht 1938 zerstörten Nationalsozialisten die 1836 eingeweihte Synagoge. Am 20. Oktober 1940 wurden die jüdischen Bürgerinnen und Bürger deportiert. Unversehrt erhalten blieb das jüdische Schulhaus von 1847. Neben der Synagoge und dem jüdischen Schulhaus gab es im Ort ein Altersheim, ein jüdisches Krankenhaus und einen sehr eindrücklichen jüdischen Friedhof mit über 1600 Grabstellen. Eine Gruppe wurde im Museum, das im ehemaligen jüdischen Schulhaus unterbracht ist, von der Museumsleiterin in einem packenden Vortrag in die spannende Geschichte der Gailinger Juden eingeführt. Eine andere Gruppe machte sich mit einem versierten Führer auf einen eindrücklichen Ortsrundgang. In zweieinhalb Stunden wurden uns die noch verbleibenden Spuren jüdischen Lebens gezeigt und mit vielen Anekdoten und Geschichten sehr lebhaft nähergebracht.