Monatswanderung Degersheim mit Emil Frischknecht
Degersheim – Wissbachtobel – Schwänberg - Gossau
Donnerstag, 18. Juni und Freitag, 19. Juni 2026
Die PSSL-Monatswanderung Juni startete, bei wolkenlosem Himmel und hohen Temperaturen, beim Bahnhof Degersheim. Am Donnerstag nahmen 27 und Freitag 10 Personen an der Wanderung teil. Aus verschiedenen Gründen haben sich 8 Personen abgemeldet.
Degersheim umfasst, nebst dem Dorf, die Orte Magdenau mit dem Zisterzienserinnen-Kloster, Wolfertswil, zahlreiche Einzelhöfe und die Exklave Obergampen. Besonderheit im katholisch geprägten St. Gallen: 1708 wurde eine evangelische und erst 1763 eine katholische Kirchgemeinde gegründet. Die Kapelle wurde paritätisch benutzt.
Im Frühling 1818 zerstörte eine Feuersbrunst 40 Wohnhäuser, 15 Scheunen und die Kirche. Zweihundert Personen wurden obdachlos.
In den folgenden Jahrzehnten nahm die Einwohnerzahl von Degersheim stetig zu. Weberei und Stickerei führten das Dorf zu einem ungeahnten Aufschwung.
1907 weihte die evangelische Gemeinde ihre eigene Kirche ein, während für die Katholiken das alte Kirchlein noch einige Jahre seinen Dienst leisten musste. An Pfingsten 1924 hatte auch die katholische Kirchgemeinde ihre Jakobuskirche. Die beiden grossen Kirchen prägen bis heute das Dorfbild von Degersheim.
Von Degersheim führte der Weg zum Weiler Talmühle und weiter ins Wissbachtobel. Bei an-genehmen Temperaturen ging es entlang dem Wissbach zur gedeckten Holztreppe. Die Treppe in der Felswand, mit Blick in die Wissbachschlucht und hinunter zum Turbinenhaus in einer halbmondförmigen Höhle, war ein besonderer Leckerbissen. Das Kraftwerk produzierte Strom von 1892 bis 2006.
Nach einer kurzen Rast ging es durch eine schöne Auen-Landschaft zur Staumauer vom Wasserkraftwerk Schwänberg. Die gesamte Anlage soll erneuert werden. Für die Instandstellung der Staumauer und die Erneuerung der Anlagen werden Investition von ca. einer Million Franken nötig. Ein Rückbau der Staumauer hätte Auswirkungen auf die gesamte Auen-Landschaft und wird deshalb nicht in Betracht gezogen.
Bevor der Aufstieg nach Schwänberg erfolgte, beeindruckte die Schwänberger Holzbrücke. Sie ist 23 Meter lang und verbindet den Flawiler Ortsteil Egg mit Schwänberg. Die erste Brücke wurde 1615 errichtet und 1782 ersetzt. Die zahlreichen Inschriften ihrer Erbauer machen sie zu einer "Sprechenden Brücke".
Der Weiler Schwänberg wurde ca. 821 erstmals urkundlich erwähnt und gehört damit zu den ältesten Siedlungen im Appenzellerland.
Der Riegelbau Altes Rathaus wurde zwischen 1627 und 1630 für den Arzt und Söldnerhauptmann Hans Conrad Zuberbühler erbaut. Das Gebäude diente jedoch nie als Rathaus. Trotz vielfältiger Nutzungen über die Jahrhunderte blieben viele wertvolle Elemente erhalten. Von 1993 bis 1995 wurde das Alte Rathaus umfassend restauriert und bildet, zusammen mit Rutenkaminhaus und Weisse Haus, ein Ortsbild von nationaler Bedeutung.
Die Ausstellung und die historisch bedeutsamen Räume des „Alten Rathauses“, stehen jeden ersten Sonntag im Monat von 14:00 bis 16:00 zur freien Besichtigung offen. (https://schwaenberg.ch/)
Von Schwänberg gings weiter zur Tobelmüli, dort fliesst der Wissbach in die Glatt. Es folgte ein letzter kurzer Aufstieg und anschliessend erreichten die Wandergruppen das Restaurant Freihof in Niederdorf Gossau. Unter den grossen Bäumen vergass man rasch, bei einem feinen Mittagessen, die Hitze auf dem letzten Wegabschnitt. Nach der Mittagsrast folgte ein kurzer Fussmarsch zum Bahnhof Gossau.
20.6.2026 / Wanderleiter Emil Frischknecht